Argument von der unabhängigen Existenz

Einführung

Wenn wir „Gott“ sagen, meinen wir den Einen, der keinen Anfang und kein Ende hat, der sich nicht verändert. Sein Sein ist absolut unabhängig von allen Dingen. Ziel des folgenden Textes ist es, zu zeigen, dass ein Wesen mit jenen o.g. Attributen existieren muss, wenn unsere Welt einen Sinn haben soll. Gottes Eigenschaften erschöpfen sich nicht in den genannten; diese sind nur sehr grundsätzlich.

Existenz als Gabe

Das nächst liegende Beispiel ist unser eigenes Leben. Einst wurden wir geboren und einst werden wir sterben. Wir leben, aber unser Leben ist abhängig von vielen Umständen. Wir entschieden uns nicht zum Leben und wir können nicht entscheiden, ob wir sterben wollen oder nicht. Es gibt auch viele Bedingungen und äußere Gründe für unsere Existenz. Mit anderen Worten: Unser Sein hat seinen Grund nicht in uns selbst. Wir sind nicht unabhängig. Fragen wir, warum wir existieren, müssen wir die Antwort außerhalb von uns suchen. Mit anderen Dingen im Universum ist es ähnlich, ja in manchen Fällen können wir Anfang und Ende direkt beobachten – Kommen und Gehen, Entstehen und Vergehen. Bei anderen Dingen stellen wir zumindest deren Veränderlichkeit fest. Alles aber, das der Veränderung unterworfen ist, ist nicht völlig unabhängig in seinem Dasein. Das „Leben“ solcher Dinge besteht aus gewissen Perioden des Kommens und Gehens. Somit schließen wir, dass nicht nur wir selbst, sondern auch alle anderen Dinge ihre Existenz von außen empfangen haben. Es handelt sich also um eine Gabe.

Universum

Kinder lernen Dinge kennen und fragen: „Warum?“, „Woher?“. Versuchen wir zu antworten, ergeben sich weitere Fragen. Es ist geradezu unmöglich, eine Antwort zu finden, die keine weiteren Fragen ergäbe. Früher oder später geben wir auf. Nun ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder die letzte Antwort existiert, nur ist sie zu komplex, oder sie existiert nicht im Rahmen des Universums, weil dieses von „außen“ entstand. Christen glauben, dass das letztere richtig ist. Deshalb hält man ihnen oft vor, die einfachere Lösung gewählt zu haben. Aber der Grund, diese Lösung anzunehmen, ist nicht, dass es die einfachere ist. Es ist die Tatsache, dass das Universum nicht mehr sein kann als die Dinge, die es formen, genauso wenig wie die Menschheit mehr ist als die Menschen selbst, die sie bilden. Wenn also alles im Universum seine Existenz empfangen hat, wie können wir dann vom Universum etwas anderes annehmen? Es ist doch nicht mehr als die Summe aller Dinge in ihm.

Wer ist der Geber?

Wir glauben, dass das Universum in die Existenz „gerufen“ wurde, und der dies tat, muss völlig unabhängig davon sein, auch unwandelbar und über Zeit und Raum stehend. Die Bibel spricht über Gott in dieser Weise.

Der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, noch wird er von Menschenhänden bedient, als wenn er noch etwas nötig hätte, da er selbst allen Leben und Odem und alles gibt. (Apostelgeschichte 17,24-25)

Ich bin das Alpha und das Omega, spricht der Herr, Gott, der ist und der war und der kommt, der Allmächtige. (Offenbarung 1,8)

So spricht der HERR, der König Israels und sein Erlöser, der HERR der Heerscharen: Ich bin der Erste und bin der Letzte und außer mir gibt es keinen Gott. (Jesaja 44,6)