Moral

Warum gibt es die Moral und ein generelles Verlangen nach Gutem im Menschen? Warum gibt es das Gewissen?

1. Es gibt ein objektives moralisches Gesetz

Auch wenn manche Menschen sich dessen nicht bewusst sind und andere es bewusst nicht zugeben, dass es ein universales moralisches Gesetz gibt, stimmt doch jeder einigen grundsätzlichen moralischen Prinzipien zu, die für uns sowohl als Individuen als auch für die Gesellschaft notwendig sind. Zwar ist es richtig, dass es immer gewisse Unterschiede bezüglich dieser Prinzipien gab; die Übereinstimmungen waren aber allezeit wesentlich größer. Wenn jemand die moralischen Lehren verschiedener Kulturen und Epochen vergleicht, wird er die weitgehenden Ähnlichkeiten zwischen diesen und mit unserem heutigen Verständnis feststellen.

C.S. Lewis beweist in seinem Buch „The Abolition of Man“, dass die alten Ägypter, Babylonier, Hindus, Chinesen, Griechen und Römer sehr ähnliche moralische Ansichten hatten. Keine dieser Kulturen verehrte verräterische, betrügerische oder selbstsüchtige Menschen. Es gab unterschiedliche Ansichten bezüglich der Anzahl von Ehefrauen, doch nie wurde Ehebruch glorifiziert oder als Tugend betrachtet. Nirgendwo war Mord erlaubt, ja nicht einmal unter Kannibalen darf man einfach töten, wen man will. Die Tatsache, dass eines der vorrangigsten Ziele der Nazis die Ausrottung bestimmter Völker war, zeigt nicht, dass auch dies ein Teil des natürlichen Gesetzes ist. Vielmehr deutet die doch ziemlich einhellige Verurteilung dieses Massenmordes auf eine „höhere“ Wahrheit hin, der wir alle unterworfen sind und nach der wir alle gerichtet werden.

Schauen wir uns die Entwicklung dieses inneren Gesetzes in einem Menschen an. Diese Entwicklung des Gewissens ist von Kindheit an beobachtbar. Sie wird von verschiedenen Dingen (wie Umwelt und Erziehung) beeinflusst, von denen aber die persönliche Entscheidung am stärksten zu Buche schlägt. Der Mensch ist fähig, sein Gewissen zu leugnen, und jede solche Entscheidung „bearbeitet“ sein inneres Gesetz. Damit beeinflusst er aber auch, auf welche Dinge und in welchem Maße das Gewissen reagiert. Dies ist der Hauptgrund für die Unterschiede in der Weise, wie Menschen moralisch-ethisch beurteilen und nicht, wie immer stärker behauptet wird, das Fehlen eines allgemeinen Ausgangspunktes. Diese Reinheit des Gewissens existiert und wird bestimmt von dem moralischen Gesetz in uns. Jedermann erfährt den verpflichtenden Charakter der Stimme dieses inneren Gesetzes. Wenn der Mensch nicht danach handelt, so weiß er doch, „wie es sein sollte“, „was gut wäre“ oder „wie es gut gewesen wäre“. Diese inneren Warnungen haben höhere Autorität, weil sie mir das Richtige vor Augen führen, selbst wenn ich es nicht mag. Die Beurteilung durch die Stimme des Gewissens ist vor, während und nach unseren Taten gegenwärtig, indem sie uns anklagt oder auch rechtfertigt. Dieser unbedingt verpflichtende Charakter dient unserer Erziehung. Wir werden in unseren subjektiven Abweichungen, die wir durch unsere schlechten Motive und Entscheidungen hervorbringen, korrigiert und zur objektiven Reinheit und dem höchsten Gut zurückgeführt – wenn wir wollen. Durch diese Aufgabe zeigt sich, dass sein Ursprung außerhalb von uns liegt und wir zu diesem Ursprung, der absoluten Wahrheit und Objektivität, geführt werden sollen, auch wenn sich das persönliche Gewissen im Laufe der Zeit auf Grund der o.g. Umstände ändert.

2. Was kann die Quelle des objektiven moralischen Gesetzes sein?

Kann das Gewissen nur das Produkt unserer Erziehung und der Umwelteinflüsse sein? Wäre dem so, müsste unsere moralische Orientierung notwendigerweise immer von der unserer Eltern bestimmt sein, da dies sicher der größte aller Einflüsse ist. Aber die Kinder denken und handeln bei weitem nicht immer wie ihre Eltern. Glücklicherweise können wir auch unter den Jugendlichen der modernen Gesellschaft einige sehen, die nicht den verschiedenen Formen der Morallosigkeit zum Opfer fallen, sondern diesem Irrweg zu entkommen suchen. Dies wäre unmöglich, wenn das Gewissen nur das Resultat der jeweiligen Familien – und Gesellschaftssituation wäre. Damit wollen wir nicht deren Einfluss auf das Gewissen leugnen, sondern zeigen, dass diese Art von Herkunftserklärung eine unsachliche Vereinfachung einer komplizierten Frage ist.

Wir wollen hier gar nicht auf die materialistischen Erklärungsversuche für die Herkunft der inneren Stimme eingehen. Es sei genug, auf die grundsätzlichen Meinungen von Nobelpreisträgern und anderen Experten auf diesem Gebiet zu verweisen, die die enorme Lücke sehr wohl erkennen, die zwischen dem menschlichen Gewissen einerseits und selbst den höchsten Formen von Instinktkombinationen in der Tierwelt andererseits klafft. Da dieser riesige Unterschied nicht einfach eine Sache verschiedener Entwicklungsgrade der selben Eigenschaften, sondern einzigartig neuer Qualitäten ist, muss die Lösung der Herkunftsfrage anderswo gesucht werden. Einige Zitate berühmter Wissenschaftler haben wir gesondert unter Menschlicher Geist aufgeführt.

Wenn nun die Herkunft und das Wesen des moralischen Gesetzes weder durch evolutionäre Prozesse der materiellen Welt noch durch individuelle und gesellschaftliche Einflüsse gleich welcher Art erklärt werden kann, muss es eine Quelle außerhalb dieser Welt haben. Diese Quelle ist sozusagen der „Gesetzgeber“, der von seinem Wesen her in vollkommener Übereinstimmung mit den Gesetzen ist, die er gibt. Diesen vollkommenen, höchsten und personalen Gesetzgeber nennen wir Gott.

3. Weitere auf der Moral fußende Argumente

In der Spätphase seines Lebens verwarf Kant die traditionellen Gottesbeweise und betrachtete die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele nicht mehr als Dinge der Vernunft, sondern des Glaubens, da sie auf die Sinneswahrnehmung beschränkt seien. Er wollte nur noch das Argument der Moral gelten lassen und dies auch in anderer Weise, als es oben ausgeführt ist, nämlich dass das Ziel aller Menschen vollkommenes Glück sei und dass demzufolge ein jeder das summum bonum (das höchste Gut) suchen solle, indem er dem Gesetz der Moral gehorsam sei. Der endliche Mensch jedoch kann nicht erfüllendes Glück allein durch einen hochmoralischen Lebensstil finden; deshalb ist die Existenz Gottes, der uns nach dem Tod mit Vollkommenheit belohnt, eine Notwendigkeit.

Das Argument von der Verdammung in Peter Bergers „A Rumor Of Angels“ kann man zurecht die negative Version des Beweises anhand der Moral nennen. Der Grundgedanke liefert gute Denkanstöße (wenngleich eine positive Grundeinstellung beim Leser vorausgesetzt wird), nämlich dass jeder erhalten muss, was er verdient. Demgemäß können die unsagbaren Grausamkeiten, die durch Sklaverei, Völkermord, Holocaust usw. verübt wurden, nicht einfach durch irdische Strafen „aufgewogen“ werden. Es müsse also eine übernatürliche Verdammung geben, sonst gäbe es keine wirkliche Gerechtigkeit.