Sehnsucht nach Unendlichkeit

Erscheinungen von gewisser Bewusstheit in der Tierwelt sind immer das Resultat innerer und äußerer Informationen des Augenblicks. Das Leben und das Interesse der Tiere werden ganz bestimmt und erfüllt durch den Rahmen, in dem sie sich bewegen. Das menschliche Selbstbewusstsein aber wird nicht nur durch Instinkte oder Informationen von außen hervorgerufen, was man an einer ganzen Reihe von geistigen Aktivitäten sehen kann.

Das Leben des Menschen ist durch die unbegrenzte Offenheit und Freiheit der Erkenntnis und des Strebens gekennzeichnet. Er interessiert sich nicht nur für das gerade Anstehende seines eigenen Alltags, sondern er hat grundlegende Fragen, ja gerade auch bezüglich des „Woher und Wohin“ seiner selbst und der existierenden Welt überhaupt. Fragen wie: „Woher kommt die Welt?“, „Was ist die Wahrheit und kann ich sie finden?“ und „Worin liegt der Sinn unseres Daseins?“ zeigen, dass der menschliche Geist bestrebt ist, die Totalität des unendlichen Seins zu verstehen. Er übersteigt damit die irdische Sinnes- und Begriffswelt und will das Sein an sich erfassen. Dem Menschen ist das Verlangen gegeben, aus den Grenzen von Raum und Zeit auszubrechen. Er kann im Geist (d.h. in Gedanken) an jedem beliebigen Punkt von Zeit und Raum dieser Welt sein, was auch zeigt, dass dieser Geist nicht nur von Materie abhängig ist. Diese geistigen Aktivitäten sowie deren intellektuelle Ausrichtung und Motivation gehen weit über das Maß unserer endlichen Welt hinaus; sie sind auf eine unendliche und vollkommene Wirklichkeit ausgerichtet.

Diese ganz natürliche Fähigkeit, dieses Streben des Menschen muss ein Ziel, ein Objekt außerhalb unserer Sinneserfahrungswelt haben, sonst wäre all dies grund- und sinnlos. Wie könnte der Mensch auch überhaupt Endlichkeit und Unvollkommenheit erkennen, wenn Unendlichkeit und Vollkommenheit gar nicht existierten?