Wunsch nach Gerechtigkeit

Jeder hat ein natürliches Gerechtigkeitsempfinden. Dies wird leicht sichtbar durch die Tatsache, dass die schlechten, bösen Taten von anderen, von „Feinden“, sehr streng beurteilt werden. Wir sind unseren „Feinden“ gegenüber üblicherweise viel sensibler als gegen uns selbst. So haben selbst sehr egoistische Menschen den (durchaus berechtigten) Wunsch, gerecht behandelt zu werden.

Nun wollen Evolutionisten dieses Phänomen als Resultat des gemeinschaftlichen Lebens der Spezies „Mensch“ erklären, da es im Kollektiv von Vorteil sei, gerecht zu sein.
Aber erstens kann sich der Gerechtigkeitssinn nicht einfach „entwickeln“. Da gibt es eigentlich nicht ein Mehr oder Weniger. Es scheint auch wenig sinnvoll anzunehmen, dass sich die Menschheit in einem frühen Stadium dafür entschied, gerecht zu sein, was dann in der Folge auf die Nachkommen übertragen wurde. Solche Erscheinungen können nicht vererbt werden, sondern jeder Einzelne muss sich entscheiden, gerecht zu sein.
Zweitens ist Gerechtigkeit keine Frage des Vorteils für mich oder andere. Eine gerechte Tat geschieht nicht aus Berechnung. Wie kann nun unser Wunsch nach Gerechtigkeit erfüllt werden?

In unserer Welt gab es immer viel Ungerechtigkeit und es wäre unrealistisch zu denken, dies würde sich völlig ändern. Auch der Kampf mancher Politiker, Humanisten oder religiöser Menschen um Gerechtigkeit befriedigt uns nicht, da immer nur eine bruchstückhafte Gerechtigkeit erstrebt und erreicht wird.
Wirklich allumfassende Gerechtigkeit, die darüber hinaus für alle gültig ist, ist auf dieser Welt nicht zu finden. Ist nun also dieses Verlangen nur eine sinnlose, weil nie erfüllbare, Eigenschaft des Menschen oder ist es nicht gerade ein Hinweis auf ein transzendentes Wesen, welches dies für immer gewähren kann?